Mein langer Weg zu einer monströsen Kirche

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Als praktizierender Agnostiker mit Trend zum göttlichen Cthulhu machte ich schon während meiner Kindheit in den 40iger- und 50iger- Jahren des vorigen Jahrhunderts, vielen als das 20igste noch in vager Erinnerung, nicht nur beglückende Erfahrungen mit der heute einer schnell wachsenden Gruppe heiligen Speise, die, wenn sie den Namen anderwärts auch nicht immer verdient, nicht nur in Italien Pasta genannt wird.  Meine Ersterfahrungen mit einem von UNRRA im Nachkriegswien in verhungernde Kinder hineingestopften Nudelgericht, namens Pasta asciutta, das auch in Ferienheimen und sonstigen Kinderbetreuungsstätten sehr häufig auf dem Speiseplan stand, hätten mich sicher nicht zur Konversion zu einer damals noch nicht existenten Kirche bewegt. Trotzdem war es erträglicher als eingebrannte Erdäpfel oder ebenso verarbeitete Gurkenreste, ganz zu schweigen vom Eisenhowercheese (*).

Vor ziemlich exakt zehn Jahren kam ich über einen jungen Kollegen, der beim Kabarett noch erfolgreicher ist als in der Archäologie, erstmals in Kontakt mit der Kirche des FSM und sie weckte mein Interesse. Als spirituell suchenden, analytisch orientierten Menschen irritierte mich primär die Kombination von Spaghetti mit Fleischbällchen im höchsten Wesen. Den Nudeln bin ich trotz meiner schweren Kindheitstraumata nicht mehr abgeneigt, der Kombination mit Hackfleischkugeln hingegen schon. Als konservativer Mensch hatte ich diese als Königsberger Klopse, Köfte, Köttbullar, bei denen es sich nachgewiesenermaßen ebenfalls um Köfte handelt, Fleischlaberl, Fleischpflanzerl, Frikadellen oder Bulletten kennen- und schätzen gelernt. Es bedurfte stark energieintensiver Tätigkeit meiner schon etwas abgenützten Ganglien, bis ich in einem Erweckungserlebnis begriff, dass gerade diese Kombination die Einmaligkeit des FSM ausmacht. Wer, mit Ausnahme vielleicht von US-Amerikanern, käme sonst auf die Idee, seine faschierten Laberln mit Spaghetti zu jausnen?

Ein berufliches Anliegen ist mir, die unnötige und wenig wissenschaftliche Bibelarchäologie durch eine FSM-Archäologie zu ersetzen. Da ich bisher keine direkten Spuren des Hochverehrten finden konnte, scheint mir der Nachweis seiner Existenz in höheren Sphären mit hoher Wahrscheinlichkeit erbracht. Seine Verehrung dürfte in der späten Jungsteinzeit begonnen haben. In Pfahlbausiedlungen wurde Durumweizen, der Rohstoff für Pasta, wie jeder Fromme weiß, gefunden. Es ist daher nicht auszuschließen, dass schon Ötzi ein Verehrer des FSM war und auf seiner Bergtour an einem von einem Pfeilschuss unterstützten akuten Pastamangel verschied. Getrockneter Steinbock kann besonders freitags Pasta nicht ersetzten, es sei denn, er wäre zu Carbonara verarbeitet. Die über 5.000-jährige, wissenschaftlich abgesicherte Verehrung des FSM, die immerhin schon vor über zehn Jahren in der Gründung einer Religionsgemeinschaft mündete, sollte selbst für träge bürokratische Gesetzgeber Anlass genug sein, seiner Kirche endlich den gebührenden Platz in der Gesellschaft zu legalisieren.

Im Gegensatz zu anderen missionierenden Kirchen, deren Angriffe auf meine Seele ich immer erfolgreich abgewehrt hatte, schaffte die Kirche des FSM als fast einzig wahre, mich ohne Anstrengung beinahe für sich zu gewinnen, beinahe deshalb, weil ich als vorsichtiger Mensch es mir nicht mit dem unberechenbaren Cthulhu verscherzen will, und wenn die Reformbuddhisten endlich ein göttliches Wesen in Form des FSM, als Streichelvariante von Cthulhu anerkennten, diese einbeziehen würde.

Reformed Buddhists: (c) https://www.pinterest.at/pin/358599189052989271

In Kult und Ritus hat die Kirche des FSM meine vollständige Unterstützung. Die Libationen befolge ich gewissenhaft, Piraterie, hauptsächlich zu Lande, ist mein Hobby und einer gemeinsamen Wallfahrt zum Vulkanbier in der Eifel fiebere ich entgegen.

Ramen!

Hugo

(*) Eisenhowercheese: war ein orange-cheddarfarben in Dosen gegossener Käse, möglicherweise Analogkäse. Er war gut gemeint, aber seine Exotik kam hier nicht an, die Salzbutter in Dosen, jeweils geschätzte 5 Kg, mochten wir.

Vulkanbier: geschützte Marke der Vulkan Brauerei GesmbH & Co.KG

Links mit freundlicher Unterstützung von chefkoch.de, wikipedia.org und orf-online

Titelbild: (c) https://pixabay.com/de/zypern-kourion-landschaft-baum-3493479

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